Geschichte von Müntschemier

Der Ortsname - mit grosser Wahrscheinlichkeit vom romanischen Wort "montem" (Berg) abgeleitet, wird in der Geschichte im Jahre 1185 als "Munchimu" erstmals urkundlich erwähnt.

 

Die Alemannen

Die Eroberung der von Gallogermanen bewohnten Gegend durch die Alemannen vermutet man im Zeitraum des 8. und 9. Jahrhunderts. Müntschemier gehörte zur Grafschaft Erlach, die 1265 von den Grafen von Savoyen eingenommen wurde. Vom Jahre 1407 an wurde die Grafschaft dem burgundischen Fürstenhaus von Chalon als Lehen überlassen, bis sie im Jahre 1474 – während den Burgunderkriegen – von Bern besetzt wurde. Damit wurde die Grafschaft Erlach, das heutige Amt Erlach, bernisch.Bauernhäuser

 

Eine blutige Schlacht

Im Jahre 1375 wurde Müntschemier im Zusammenhang mit einer blutigen Schlacht erwähnt. In der Nähe von Ins wurden die als grausam bezeichneten "Gugler" von den Bauern der umliegenden Dörfer in die Flucht geschlagen. Man will wissen, dass die über 300 Toten, die die "Gugler" zurückliessen, in der zu Müntschemier gehörenden Flur, die noch heute "Gugleräcker" genannt wird, beigesetzt worden seien. Im Jahre 1528 sprachen sich die Gläubigen der Kirchgemeinde Ins, zu der Müntschemier auch heute noch gehört, nach einigem Zögern für die Reformation aus.

 

Grosse Dorfbrände

In den Jahre 1738 und 1827 wurde das Dorf von grossen Dorfbränden heimgesucht. Für die Bauern von Müntschemier war es mühsam, aus dem periodisch immer wieder überschwemmten, morastigen, stellenweise sogar sumpfigen Land des Grossen Mooses ein genügendes Einkommen herauszuwirtschaften, bis dann in den Jahren 1868 – 1878 die Juragewässerkorrektion durchgeführt wurde. Das sumpfige, morastige Moos verwandelte sich in kultivierbares Ackerland. Ausser Ackerbau wurde in Müntschemier auch Rebbau betrieben. Die Halden, die sich westwärts des Dorfes hinziehen, waren mit Reben bestockt, einer Kultur, die in der Zeit des ersten Weltkrieges zum Erliegen kam.

 

Die Weltkriege

Mit dem Bau der Bern-Neuenburg-Bahn zu Beginn dieses Jahrhunderts fasste auch die Industrie im bäuerlichen Müntschemier Fuss. Der erste Weltkrieg vermochte endlich auch die wirtschaftliche Lage der Landwirtschaft zu verbessern. Doch die zu Beginn der 30er Jahre einsetzende schwere Weltwirtschaftskrise brachte weitere Sorgen für das Dorf. Veranlasst durch die herrschende Armut wanderten einige Müntschemierer nach Nord- und Südamerika, Australien und Osteuropa aus. Bedingt durch den politischen Umschwung ging auch die Burgergemeinde von Müntschemier in diesen Jahren unter. Ihr Hab und Gut trat sie der von oben verordneten Einwohnergemeinde ab. Dann brach der zweite Weltkrieg aus. Der weltweite wirtschaftliche Aufschwung, der in den Jahren danach einsetzte, machte sich auch in Müntschemier bemerkbar. Verbunden mit grossen Kosten wurde eine Güterzusammenlegung vorgenommen. In der Landwirtschaft begann man sich auf den Gemüsebau zu spezialisieren, was sich als Erfolg herausstellte. Auch wurden die Landwirtschaftsbetriebe durch Anschaffungen von Maschinen laufend modernisiert.

 

Das heutige Müntschemier

Momentan gibt es in unserem Dorf 882 Arbeitsplätze, wovon 142, oder rund ein Sechstel, im Sektor "Landwirtschaft". Das grösste Arbeitsplatzangebot gibt es im Sektor "Industrie und Gewerbe". Das Traditionsunternehmen Vigier Rail AG ist mit 42 Mitarbeitern der führende Betonschwellenhersteller für die Bahnindustrie. Darin integriert ist die Schwesterfirma Sonneville AG, welche für die internationalen Bahnprojekte auf allen Kontinenten zuständig ist. Das Industrieunternehmen Créabeton Matériaux AG beschäftigt für die Betonwarenfabrikation am hiesigen Produktionsstandort 59 Mitarbeiter. 400 der 554 Arbeitsplätze, welche die 30 Gewerbebetriebe anbieten, entfallen allein auf das grosse Gemüsehandelsunternehmen Schwab-Guillod AG. Im Sektor "Dienstleistung" werden 56 Arbeitsplätze angeboten.